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10.08.2009: Denkwürdiger Jahrestag
Flaute bei der Atomkraft: Seit zwei Jahren kein neues AKW

Seit am 7.8.2007 Rumänien sein Atomkraftwerk Cernavodă 2 ans Stromnetz angeschlossen hat, wurde weltweit kein neues AKW mehr in Betrieb genommen. Eine seit Ende der 1960er Jahre nicht erlebte Flaute. Mit den jetzt in Bau befindlichen AKW werden nicht einmal die altershalber ausfallenden Kernkraftwerke ersetzt.

Immer und immer wieder meldet die Atomindustrie neue AKW-Aktivitäten. Da wird erst eine Absichtserklärung als neues AKW gemeldet, später ein Baubeschluss, manchmal die Einrichtung des Bauplatzes, dann ein Baubeginn und viele Jahre danach die erste atomare Kettenreaktion, die erste Verbindung mit dem Stromnetz und auch noch der Start des kommerziellen Betriebes. Diese Ereignisse werden jeweils mit der Überschrift „Neues AKW“ vermeldet.

Die Realität ist anders: Nachdem in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren hunderte neue Kernkraftwerke gebaut und in Betrieb genommen wurden, hat sich der Wind gedreht und nur noch wenige Kernkraftwerke gehen ans Netz. Ausnahme VR China.
So waren 1993 immerhin 70 AKW in Bau, heute sind es 52. So waren 1999 sogar 440 AKW in Betrieb, heute sind es 436. Um aber allein den Bestand zu halten, müssten jährlich 10 – 15 AKW neu in Betrieb und neu in Bau gehen.

Die AKW-Flaute ist ökonomisch bedingt

Neue Kernkraftwerke kosten wegen immer mehr erkannter Risiken nach Harrisburg (1979), Tschernobyl (1986) und New York (2001) immer mehr Geld. Im marktwirtschaftlichen Wettbewerb stehende Unternehmen bauen keine neuen AKW. So leiden japanische Unternehmen darunter, dass das weltgrößte Kernkraftwerk, das AKW Kashiwazaki mit sieben Siedewasserreaktoren, nach einem unerwartet starken Erdbeben, seit Jahren still liegt. US-Betriebe haben viele AKW-Bestellungen sogar rückgängig gemacht. Neue Kernkraftwerke werden praktisch nur gebaut, wenn die Staaten die Bauten selber oder große Subventionen zahlen.

Sogar viele Bauruinen

Bei vielen offiziell als “in Bau befindlich“ bezeichneten AKW war der Baubeginn vor 1988. In den USA wird mit Unterbrechungen an einem AKW seit 1972 gebaut. Im Iran werkeln Russen an einem anderen historischen Atomreaktor, den ursprünglich der Schah von Persien mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt vereinbart hatte und den AEG und Siemens zu bauen begonnen hatten.

Der Baubeginn neuer AKW seit dem Jahre 2000 sichert nicht den Bestand

VR China (17), Indien (8), Rußland (6), Süd-Korea (5), Japan (2), Finnland (1), Frankreich (1), Pakistan (1). Also nur 41 in zehn Jahren. Zum Ersatz alter AKW wäre die dreifache Zahl erforderlich.

China baut die meisten neuen AKW

Rund die Hälfte aller aktiven AKW-Baustellen der Erde gibt es in China. Derzeit erzeugt das Land mit 11 Atomreaktoren und einer Leistung von 6,1 Gigawatt (1 Gigawatt, GW, hat 1.000 Megawatt, MW, und ein großer Atomreaktor hat rund 1,2 GW) etwa 1,3 Prozent seines Stroms mit Atomkraft. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Anteil mal bei 35 und sank auf jetzt 23 Prozent. In China wachsen jedoch angesichts lückenhafter staatlicher Sicherheitskontrollen und ebenfalls ungelöster Atommüllprobleme – in keinem Land der Erde gibt es ein Endlager für den 1 Million Jahre tödlich strahlenden Kernbrennstoffmüll! - die Sorgen. So hat der staatliche Entwicklungs- und Reformausschuss im April 09 die Atomkraft als Übergangsenergie bezeichnet. Die Zukunft gehöre weder den Kohle- noch den Atomkraftwerken sondern den Erneuerbaren Energien.
In der Tat boomt die Windenergie in China. Das Land verdoppelte im Jahr 2008 seine Windkraftkapazität auf 12 Gigawatt, immerhin schon die zweifache Leistung der AKW.

Auch in China überholt Windkraft die Atomkraft

Aufschlussreich sind die Statistiken zur Inbetriebnahme von Kraftwerken in der VR China:
2002 (67 MW Wind, 3.136 MW Atom)
2004 (197 MW Wind, 610 MW Atom)
2006 (1.339 MW Wind, 933 MW Atom)
2008 (6.300 MW Wind, 0 MW Atom)

Quellen: www.iaea.org/programmes/a2/index.html ;
GLOBAL WIND 2008 REPORT:
www.wind-energie.de/fileadmin/dokumente/English/090312_Global_Wind_2008_Report.pdf S. 25

Fazit

Eine Atom-Renaissance findet nicht statt –aber eine lang anhaltende Atompropaganda-Kampagne. Weltweit stagniert die Atomindustrie und boomt die Windindustrie. Und am Horizont zeichnet sich ein beispielloser Aufschwung der Photovoltaik ab, die dank ähnlich stark sinkender Preise wie in der Computertechnik in allen Ländern große Teile des Strommarktes erobern wird.
Raimund Kamm